Zertifikate und Registerkontoführung im EU-ETS 2
Im Mittelpunkt des neuen europäischen Emissionshandels für Brennstoffe steht – wie schon im EU-ETS 1 – der Handel mit Emissionszertifikaten über ein zentrales Unionsregister. Doch wie funktioniert dieser Handel konkret? Und was müssen verpflichtete Unternehmen in Bezug auf Registerkonten und Zertifikatsabgabe beachten?
EU-ETS 2-Zertifikate
Am EU-ETS 2 teilnehmende Unternehmen müssen für die Emissionen der durch sie in Verkehr gebrachten Brennstoffe Emissionszertifikate erwerben und jährlich abgeben.
Ein Zertifikat berechtigt zur Emission von einer Tonne CO₂-Äquivalent.
Merkmale der Zertifikate im EU-ETS 2:
- EU-ETS 2-Zertifikate sind nicht identisch zu den EUA (= EU Allowance) des EU-ETS 1.
- Sie werden nicht kostenlos zugeteilt, sondern in der Regel versteigert.
- Wie im EU-ETS 1 ist die Gesamtmenge jährlich begrenzt (Cap) und sinkt im Zeitverlauf.
- Versteigerungen sollen 2027 beginnen. Die erste verpflichtende Abgabe von EU-ETS 2-Zertifikaten erfolgt 2029 für das Berichtsjahr 2028.
Preisentwicklung im EU-ETS 2
Die Preise für EU-ETS-2-Zertifikate werden grundsätzlich durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Ihre künftige Entwicklung ist daher mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Die Europäische Kommission legt ihren Modellrechnungen für die nationalen Klimasozialpläne einen Zertifikatspreis von 50 Euro je Tonne CO₂ im Jahr 2028 und 60 Euro im Jahr 2030 zugrunde (inflationsbereinigt auf das Preisniveau von 2023). Marktanalysten kommen in Modellrechnungen je nach Szenario zu deutlich höheren Preisen von teilweise über 300 Euro je Tonne im Jahr 2030. Wie sich die Zertifikatepreise tatsächlich entwickeln, hängt insbesondere von den Emissionsminderungen im Gebäude- und Verkehrssektor sowie von der Wirkung der Marktstabilitätsreserve ab.
Early Auctions 2027
Die ersten Versteigerungen von EU-ETS-2-Zertifikaten beginnen am 18. Januar 2027. Die European Energy Exchange (EEX) hat dafür einen ersten Auktionskalender veröffentlicht. Für 2027 sind zunächst rund 293,2 Millionen Zertifikate vorgesehen.
Die Early Auctions ermöglichen es verpflichteten Unternehmen, bereits 2027 Zertifikate für die spätere Erfüllung ihrer Abgabepflicht zu erwerben. Für die Beschaffung gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten: die direkte Teilnahme an den Auktionen, den Kauf über einen Intermediär oder den Erwerb am Sekundärmarkt. Wer direkt an den Auktionen teilnehmen möchte, muss die Zulassungsvoraussetzungen der EEX und des Clearinghauses ECC erfüllen.
Da eine Direktzulassung bei EEX und ECC mit erheblichem Aufwand verbunden ist, rät die EEX Unternehmen meist zum Zugang über Intermediäre wie Emissionshändler.com – ein Prinzip, das seit 2010 im EU-ETS 1 gilt und künftig auch im EU-ETS 2 Anwendung findet.
Rahmendaten für den Erwerb von EU-ETS-2-Zertifikaten 2027 an der EEX
| Auktionsverfahren: | Einheitspreisverfahren |
| Auktionszeitraum: | 18. Januar bis 20. Dezember 2027 |
| Versteigerungsrhythmus / Termine: | 3-mal pro Woche: montags, dienstags und donnerstags |
| Gebotsfenster: | 13:00–15:00 Uhr MEZ |
| Versteigerungsmenge je Termin: | ca. 5,53 Mio. Zertifikate bei den ersten 6 Auktionen; ca. 3,69 Mio. bei den Auktionen 7–12; anschließend ca. 1,84 Mio. je Auktion* |
| Gesamtversteigerungsmenge: | ca. 293,2 Mio. Zertifikate* |
| Preisbildung: | keine Preisobergrenze; Zuschlagspreis abhängig von Angebot und Nachfrage |
| Transaktionsentgelte: | noch nicht veröffentlicht |
*Die Auktionsmengen für 2027 sind vorläufig. Die bislang veröffentlichte Gesamtmenge berücksichtigt 140 Mio. Zertifikate für den Klima-Sozialfonds sowie Mengen für Mitgliedstaaten, die ihre nationalen Regelungen zur Abgabepflicht und zu Sanktionen bereits umgesetzt hatten. Weitere Mitgliedstaaten können hinzukommen. Deshalb sind Anpassungen der Auktionsmengen im Laufe des Jahres 2027 vorgesehen. Die Menge der letzten Auktion am 20. Dezember 2027 beträgt nach aktuellem Kalender rund 1,94 Mio. Zertifikate.
Das EU-Register: Verwaltung der Zertifikate
Wie im bestehenden EU-ETS 1 erfolgt auch im EU-ETS 2 die Verwaltung der Emissionszertifikate über das zentrale Unionsregister, ein elektronisches Registersystem, das von der Europäischen Kommission betrieben und von den Mitgliedstaaten verwaltet wird. Dabei muss für das EU-ETS 2 ein separates Konto angelegt werden, man kann nicht dasselbe Konto wie für das EU-ETS 1 verwenden.
Wichtige Funktionen des Registers:
- Verwaltung von Zertifikatskonten der verpflichteten Unternehmen
- Abwicklung von Transaktionen (Kauf, Verkauf, Übertragung)
- Abgabe von Zertifikaten zur Emissionsabdeckung
- Überblick über Zertifikatsbestände und Bewegungen
Zertifikatsabgabe
Ab 2029 müssen Unternehmen jährlich die Anzahl an Zertifikaten abgeben, die ihren im Emissionsbericht gemeldeten (und verifizierten) Emissionen entspricht. Die Frist für die Abgabe ist der 31. Mai. Die Abgabe erfolgt über das Register durch Ausbuchung der Zertifikate vom Konto. Wird die Frist nicht eingehalten, drohen finanzielle Sanktionen sowie die Verpflichtung zur Nachholung der Abgabe.
Die Registerkontoführung und der Umgang mit Emissionszertifikaten bilden das technische Rückgrat des neuen EU-ETS 2. Unternehmen, die unter das System fallen, sollten sich frühzeitig mit der Beantragung und Verwaltung von Konten vertraut machen. Nur mit einem funktionierenden Konto im EU-Register kann die gesetzlich geforderte Zertifikatsabgabe fristgerecht und rechtskonform erfolgen.
Kontomigration vom nEHS zum EU-ETS 2
Die Frist zur Vorbereitung des bestehenden nEHS-Registerkontos für die teilautomatisierte Eröffnung eines EU-ETS-2-Kontos endete am 15. September 2026. Informationen zum weiteren Ablauf und zur tatsächlichen Kontoeröffnung sind den aktuellen Hinweisen der DEHSt zu entnehmen.
Sie möchten ihr Risikomanagement in Bezug auf Emissionszertifikate verbessern? Sie wünschen sich Unterstützung bei der Registerkontoführung sowie eine vollständig auf Ihren Bedarf ausgelegte Beschaffungsstrategie für EU-ETS 2-Zertifikate, die es Ihnen ermöglicht, mit Risiken aufgrund volatiler Marktpreise optimal umzugehen? Erwägen Sie unser CO2-Management-Paket, mit dem wir für Sie die Registerkontoführung übernehmen und Sie beim Risikomanagement unterstützen – professionell und kostenoptimiert. Rufen Sie uns an Tel: +49 (0)30-398 8721-10 oder schreiben Sie uns eine E-Mail.
