Iran-Krieg lässt Energiepreise explodieren
Der Krieg im Iran treibt die Energiepreise weltweit deutlich nach oben. Ausschlaggebend sind vor allem zwei Entwicklungen: Irans Streitkräfte haben die Straße von Hormuz gesperrt – eine der wichtigsten Transitrouten für Öl- und Flüssiggasexporte. Zum anderen stellte Katar nach iranischem Beschuss Teile seiner Flüssiggasförderung ein. US-Präsident Trump erklärte, er rechne mit einer Kriegsdauer von mehreren Wochen; die entscheidende Angriffswelle gegen den Iran stehe erst noch bevor.
An den Großhandelsmärkten haben sich die Erdgaspreise binnen kurzer Zeit massiv verteuert. Der europäische Referenzpreis (TTF) liegt teils mehr als 40 Prozent über dem Niveau von Ende Februar. Auch an deutschen Tankstellen sind die Auswirkungen spürbar: Die Preise für Benzin und Diesel stiegen zuletzt um rund 7 bis 8 Cent pro Liter. Besonders stark fiel der Preissprung beim Heizöl aus. Der Durchschnittspreis erhöhte sich innerhalb weniger Tage von etwa 97 Euro je 100 Liter (Ende Februar) auf über 120 Euro je 100 Liter. Parallel dazu zog die Nachfrage deutlich an, da viele Verbraucher angesichts weiter steigender Preise ihre Tanks kurzfristig auffüllen.
Auswirkungen auf den CO₂-Zertifikatemarkt
Die Preise für Emissionszertifikate des europäischen Emissionshandelssystems 1 (EUA) sind infolge der Erdgasverteuerung mit Verzögerung ebenfalls gestiegen. Zusammen mit den Energiepreisen verhalten sie sich volatil. Der Abwärtstrend durch die aktuelle politische Diskussion um Reformen am System ist zumindest temporär gestoppt. Die erhöhten Liefermengen beim Heizöl haben auch Folgen für den Markt für nationale Emissionszertifikate (nEZ), die ab Juli erstmals über Versteigerungen an der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig veräußert werden. Durch die aktuell höheren Verkaufs- und Verbrauchsmengen steigt kurzfristig der Bedarf an Zertifikaten. Gleichzeitig könnte sich dieser Effekt im Folgejahr abschwächen, da viele Heizöltanks bereits gefüllt sind und entsprechend weniger Brennstoff nachgekauft werden muss. Die zusätzliche Nachfrage von heute dürfte somit den Zertifikatemarkt im kommenden Jahr entlasten. Mittelfristig ist auch mit einer Nachfragedämpfung infolge sparsameren Verbrauchsverhalten zu rechnen. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt jedoch maßgeblich von der weiteren Kriegsdauer ab.
