nEZ-Auktionen massiv überzeichnet: Mittelstand benachteiligt
Von Beginn an verzeichnen die Auktionen nationaler Emissionszertifikate (nEZ) für 2026 an der EEX einen massiven Gebotsüberschuss. Während die Zuteilungsquote zum Auftakt am 1. Juli bereits nur 7,3 % betrug, sank sie bis zum vierten Versteigerungstermin nochmals deutlich auf 4,6 %. Die Folge ist eine erhebliche Benachteiligung kleinerer Marktteilnehmer, die nicht über die notwendige Liquidität verfügen, um ihren tatsächlichen Bedarf deutlich zu überbieten.
Genau dies scheint jedoch bei kapitalstarken Unternehmen der Fall zu sein. Die Gebotsmenge entfernt sich von Auktion zu Auktion weiter von der tatsächlichen Nachfrage. Aufgrund der niedrigen Zuteilungsquoten bieten Unternehmen mit ausreichenden Sicherheiten ein Vielfaches ihres realen Bedarfs, um ihre Zuteilung zu erhöhen. Bei einer Gebotsmenge von mehr als 460 Mio. nEZ in der vergangenen Woche ergibt sich ein Sicherheitenvolumen von knapp 30 Mrd. Euro, das bei der EEX hinterlegt werden musste. Für kleine und mittelständische Unternehmen ohne entsprechende Liquidität oder Kreditlinien bleibt dagegen nur ein geringer Anteil der verfügbaren Zertifikate.
Wie der Geschäftsführer von Emissionshändler.com, Philipp Heilmann, gegenüber Energate erläuterte, kommt dieses Zwischenergebnis wenig überraschend. Trifft eine gesetzlich begrenzte Angebotsmenge auf einen offensichtlich zu niedrigen Höchstpreis, ist eine Überzeichnung zwangsläufig. Die niedrigen Zuteilungsquoten sind daher keine Fehlentwicklung des Marktes, sondern eine absehbare Folge des Auktionsdesigns.
Eine einfache Lösung gibt es allerdings nicht. Eine Absenkung der zu hinterlegenden Sicherheiten würde große Unternehmen sogar zusätzlich begünstigen, da sie ihren tatsächlichen Bedarf noch stärker überbieten könnten. Auch der Ausschluss nicht verpflichteter Marktteilnehmer wäre kein Allheilmittel. Solange nEZ handelbar sind, wird auch spekulative Nachfrage einen Weg in den Markt finden. Eine wirksame Begrenzung wäre nur durch erhebliche Einschränkungen der Handelbarkeit möglich – mit deutlichen Nachteilen gerade für verpflichtete Unternehmen, die beispielsweise überschüssige, zum Festpreis erworbene Zertifikate nicht mehr veräußern könnten.
Je größer die Differenz zwischen Fixpreis und Preisdeckel ausfällt, desto höher ist der wirtschaftliche Anreiz, den eigenen Bedarf deutlich zu überbieten. Nur ein Fixpreis unterhalb des Preisdeckels von 65 Euro könnte den Druck auf die Auktionen daher wirksam verringern. Die politischen Pläne gehen jedoch in die entgegengesetzte Richtung: Für das kommende Jahr soll der Fixpreis auf 73 Euro steigen und die Diskrepanz damit weiter vergrößert werden. Für mittelständische Unternehmen ist daher keine Besserung in Sicht. Im Gegenteil: Sollten die aktuellen Pläne umgesetzt werden, dürften die Auktionen 2027 noch stärker überzeichnet sein – Zuteilungsquoten von unter 3 % wären dann keine Überraschung.
29.07.2026
Ihr Emissionshändler.com Team
